Informationen zur Verordnung brennbarer Flüssigkeiten (VBF) in Österreich

In Österreich regelt die Verordnung über brennbarer Flüssigkeiten, kurz VbF, die verschiedenen Aspekte der Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten. Diese Verordnung beinhaltet Lagerverbote, Bestimmungen zur Lagerung geringer Mengen brennbarer Flüssigkeiten, sowie die Zusammenlagerung und Lagerung in Sicherheitsschränken.

 

Hier erhalten Sie wichtige Informationen zur VbF und klären die wichtigsten Fragen zu brennbaren Flüssigkeiten im Sinne der VbF Österreich, wie:

  • Was regelt die VbF?
  • Was sind brennbare Flüssigkeiten im Sinne der VbF?
  • Die Gefahrenklassen der VbF
  • Lagervorschriften brennbarer Flüssigkeiten nach VbF
  • Geringe Mengen brennbarer Flüssigkeiten richtig lagern!
  • Lagerung in Sicherheitsschränken im Sinne der VbF
  • Umrechnungsschlüssel der Zusammenlagerung nach VbF
 Länderflagge Österreich

► Was regelt die VbF?

Die Verordnung brennbarer Flüssigkeiten (VbF) regelt die Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in Österreich. Dies gilt für die Lagerung oder Abfüllung brennbarer Flüssigkeiten in

  1. gewerblichen Betriebsanlagen,
  2. genehmigungspflichtigen Eisenbahnanlagen und Rohrleitungsanlagen,
  3. Betriebsanlagen auf Zivilflugplätzen,
  4. Apotheken,
  5. Bewilligungspflichtigen Betrieben nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz

 

 

► Was sind brennbare Flüssigkeiten?

Brennbare Flüssigkeiten werden in §4 der VbF Österreich wie folgt definiert: 

„Brennbare Flüssigkeiten im Sinne dieser Verordnung sind Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von nicht mehr als 100 ºC und einem Dampfdruck bei 50 ºC von nicht mehr als 3 bar (absolut)."

Dazu werden auch Zubereitungen gezählt, welche die oben genannten Eigenschaften aufweisen. Zubereitungen können Gemenge, Mischungen oder Lösungen sein.

 


► Die Gefahrenklassen der VbF

Im Sinne der VbF werden brennbare Flüssigkeiten in zwei Gruppen eingeteilt.

Brennbare Flüssigkeiten der Gruppe A sind Flüssigkeiten, die selbst oder deren brennbare Bestandteile bei 15°C nicht oder nicht in jedem beliebigen Verhältnis mit Wasser mischbar sind. Von diesen Flüssigkeiten fallen unter die

  • Gefahrenklasse I: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter 21°C (leicht entzündlich),
  • Gefahrenklasse II: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von 21°C bis einschließlich 55°C (entzündlich),
  • Gefahrenklasse III: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von über 55°C bis einschließlich 100°C (schwer entzündlich),

Brennbare Flüssigkeiten der Gruppe B sind Flüssigkeiten, die selbst oder deren brennbare Bestandteile bei 15°C in jedem beliebigen Verhältnis mit Wasser mischbar sind. Von diesen Flüssigkeiten fallen unter die

  • Gefahrenklasse I: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter 21°C (leicht entzündlich),
  • Gefahrenklasse II: Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von 21°C bis einschließlich 55°C (entzündlich)

 

Als „besonders gefährliche brennbare Flüssigkeiten“ im Sinne dieser Verordnung gelten

  1. brennbare Flüssigkeiten, die in der Stoffaufzählung des ADR in den Klassen 3 („Entzündbare flüssige Stoffe“), 6.1 („Giftige Stoffe“) und 8 („Ätzende Stoffe“) in eine Ziffer unter lit. a oder in eine Ziffer ohne Buchstabenunterteilung fallen,
  2. brennbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter -18°C und einer Zündtemperatur von 200°C oder darunter,
  3. Kollodiumlösung, das ist eine Lösung von Nitrozellulose (Zellulosenitrat) in einem Lösemittelgemisch aus Ethanol und Diethylether, mit einem Stickstoffgehalt (Masseanteil) unter 12,6 vH,
  4. brennbare Flüssigkeiten der ADR-Klasse 2 („Selbstentzündliche Stoffe“), 4.3 („Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündliche Gase entwickeln“) und 5.2 („Organische Peroxide“).

     

► Lagervorschriften brennbarer Flüssigkeiten nach VbF

Nach §65 (1) der VbF dürfen brennbare Flüssigkeiten in folgenden Bereichen nicht gelagert werden:

  1. in Ein-, Aus- und Durchgängen und Ein-, Aus- und Durchfahrten,
  2. in Stiegenhäusern, Haus- und Stockwerksgängen,
  3. in Pufferräumen und Schleusen,
  4. in Dachböden, Schächten, Kanälen und schlecht durchlüfteten schachtartigen Höfen,
  5. in Arbeitsräumen, Sanitärräumen, Schaufenstern und Schaukästen,
  6. auf oder unter Stiegen, Rampen, Laufstegen, Podesten und Plattformen,
  7. in Lüftungs- und Klimazentralen, elektrischen Betriebsräumen, Maschinenräumen, Brandmeldezentralen und ähnlichen Zwecken dienenden Räumen,
  8. auf Fluchtwegen, bei Notausgängen, Notausstiegen, Notstiegen und Notleitern,
  9. in Kellerräumen oder in Erdgeschoßräumen, wenn die Raumöffnungen dieser Räume unmittelbar
    1. in betriebsfremde oder allgemein zugängliche Gebäudeteile, Gänge, Stiegen, Stiegenhäuser u. dgl. führen, die den einzigen Fluchtweg aus betriebsfremden Gebäudeteilen darstellen, oder
    2. in betriebseigene Räume, ausgenommen Pufferräume und Schleusen, führen, durch die der einzige Fluchtweg aus anderen Betriebsräumen führt.

 

Entleerte Behälter, welche noch Dämpfe oder Reste von brennbaren Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt von < 35°C enthalten, dürfen nur an allgemein zugänglichen Orten gelagert werden, wenn die Summe der Nenninhalte dieser Behälter die nach den Bestimmungen über die geringen Lagermengen (§§ 66 ff) in Betracht kommende Geringfügigkeitsmenge nicht übersteigt. Dies gilt nicht, wenn es sich um besonders gefährliche brennbare Flüssigkeiten handelt.


► Geringe Mengen brennbarer Flüssigkeiten richtig lagern!

Im Sinne der VbF dürfen brennbare Flüssigkeiten in einem Betrieb bzw. einer Betriebsanlage im Freien (§§ 84 bis 86) und, soweit § 65 nicht entgegensteht und die durch die Eigenschaften der dort gelagerten brennbaren Flüssigkeiten bedingten Schutzmaßnahmen eingehalten werden, in Räumen mit Ausnahme von Verkaufsräumen und Vorratsräumen (§ 98) nach Maßgabe der §§ 67 bis 71 in ortsveränderlichen Behältern bis zu den jeweils festgelegten Höchstmengen gelagert bzw. zusammengelagert werden. In größeren Mengen ist die Lagerung brennbarer Flüssigkeiten nur nach Maßgabe der §§ 72 bis 78, in Verkaufsräumen und Vorratsräumen nach Maßgabe der §§ 98 bis 105 und in Tankstellen nach Maßgabe der §§ 106 bis 116 zulässig. Die brennbaren Flüssigkeiten müssen so gelagert sein, dass ein Versickern in den Boden und ein Ausfließen aus dem Raum, in dem sie gelagert sind, verhindert ist. 

Wichtig: Nicht zu vernachlässigen, ist auch die sichere Lagerung von “kleinen” Mengen. Diese können bei falscher und ungeschützter Lagerung ebenfalls sehr gefährlich werden.

 

Der unten stehenden Zusammenstellung können Sie entnehmen, welche Mengen brennbarer Flüssigkeiten Sie abhängig von den Gefahrenklassen und der Art der verwendeten Behälter, außerhalb von Sicherheitsschränken und Lagerräumen lagern dürfen. Hierbei ist zu beachten, dass an Arbeitsplätzen maximal der Tagesbedarf gelagert werden darf.

Gefahrenklasse 

 maximale
Lagermenge
[Liter]

maximaler
Behälterinhalt 
[Liter]

Voraussetzung hinsichtlich der Behälterart 

besonders
gefährliche   

 5

0,25 

 geeignetes Material

 1

mit schwer brennbarem, korrosionsbeständigem Material bruchgeschützt umhüllt

10

 5

 Metall

 15

 5

Sicherheitsbehälter

  I    

 20 

 2,5

geeignetes Material 

 5

bruchgeschützt 

 50

 10

Kunststoff oder Metall 

 60 

 25

Sicherheitsbehälter oder bruchfeste Behälter 

 30

 mit Tragevorrichtung für 2 Personen ausgerüstet

II 

500 

5

geeignetes Material

25

mit schwer brennbarem, korrosionsbeständigem Material bruchgeschützt umhüllt
Kunststoff oder Metall

30

mit Tragevorrichtung für 2 Personen ausgerüstet

 60

Sicherheitsbehälter oder bruchfeste Behälter

 III  

 1000  

10 

geeignetes Material

 25

 mit schwer brennbarem, korrosionsbeständigem Material bruchgeschützt umhüllt

30

mit Tragevorrichtung für 2 Personen ausgerüstet

 60

Kunststoff 

200

bruchfest (Kunststoff oder Metall)


 

► Lagerung in Sicherheitsschränken im Sinne der VbF

Sobald eine Zusammenlagerung von besonders gefährlichen brennbaren Flüssigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten der Gefahrenklassen I bis III erfolgen soll, ist dies (soweit §69 VbF nicht anderes bestimmt) nur in Sicherheitsschränken zulässig. Eine Ausnahme besteht, sofern der Anteil der besonders gefährlichen brennbaren Flüssigkeiten nicht mehr als fünf Liter beträgt.

Erfolgt die Zusammenlagerung brennbarer Flüssigkeiten in Sicherheitsschränken, darf die Gesamtmenge der gelagerten Flüssigkeiten in dem Schrank nicht mehr als 100 Liter betragen.

 

Im Sinne der VbF sind Sicherheitsschränke als ortsfeste Schränke mit höchstens 1 m³ Inhalt definiert, die:

  • ausschließlich der Aufbewahrung von brennbaren Flüssigkeiten dienen,
  • bei einem Brand für 90 Minuten sicherstellen, dass vom Schrankinneren keine zusätzliche Gefährdung oder Brandausbreitung ausgeht,
  • Türen besitzen, die selbsttätig schließen und versperrbar sind. Hierbei ist eine zusätzliche thermische Steuerung des Türschließmechanismus zulässig, welche das sofortige Schließen der Türen dann gewährleistet, wenn die Umgebungstemperatur 50°C überschreitet,
  • mit Zu- und Abluftöffnungen versehen sind, welche an ein Lüftungssystem anschließbar sind. Dies soll im geschlossenen Schrank einen mindestens zehnfachen Luftwechsel pro Stunde ermöglichen und die Öffnungen sich im Brandfalle selbsttätig schließen, und
  • mit einer, unterhalb der untersten Stellfläche angebrachten, Auffangwanne ausgestattet sind. Diese muss aus nicht brennbarem Material bestehen und ein Fassungsvermögen von mindestens 10 Liter aufweisen.

     

Sie benötigen einen solchen Typ-90-Sicherheitsschrank? Lassen Sie sich gerne von unseren Gefahrstoffexperten beraten und kontaktieren Sie uns unter www.asecos.com/kontakt.

Entdecken Sie auch unsere komplette Produktvielfalt in unserem Produktkonfigurator unter www.mein-sicherheitsschrank.de


► Umrechnungsschlüssel der Zusammenlagerung nach VbF

Eine Zusammenlagerung im Sinne der VbF (§8) liegt vor, wenn brennbare Flüssigkeiten verschiedener Gefahrenklassen nicht brandbeständig voneinander getrennt gelagert werden.

Sobald eine Zusammenlagerung brennbarer Flüssigkeiten verschiedenen Gefahrenklassen erfolgt, ist folgender Umrechnungsschlüssel zu beachten:

  • 2 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse II entspricht 1 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse I
  • 200 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse III entspricht 1 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse I
  • 100 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse III entspricht 1 Liter brennbarer Flüssigkeit der Gefahrenklasse II,

Dieser Umrechnungsschlüssel gilt, sofern nicht die gegebenen örtlichen Verhältnisse, die zu lagernde Menge, die Größe der Auffangwanne und die besonderen Eigenschaften der zu lagernden brennbaren Flüssigkeiten, eine von diesem Umrechnungsschlüssel abweichende Lagermenge brennbarer Flüssigkeiten der Gefahrenklasse II oder III erfordern oder zulassen.