asecos Hauptkatalog 2022 (CH) - Sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen

230 Zunehmende Beliebtheit und unterschätzte Risiken Kaum ein anderer Technik-Trend hat sich in den letzten Jahren so unaufhaltsam durchgesetzt wie die Entwicklung immer leistungsfähigerer Energiespeicher auf Basis von Lithium (Li). Seit etwa 30 Jahren erobern Li-Ionen-Batterien und -Akkus den Markt für Energiespeicher und werden in immer mehr Produkten und Geräten eingesetzt. Ob Elektrowerkzeuge, Gartengeräte oder E-Bikes, Lithium-Akkus sind aus unserem privaten wie beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch dieser Boom hat eine Kehrseite. Denn die so praktischen und effizienten Energiespeicher sind alles andere als harmlos. Sie können in Flammen aufgehen und schwere Brände verursachen. Auch speziell abgeschirmte Akkus könnten dabei Temperaturen von über 1.000 °C entwickeln, wie Versuche des BDE zeigen. Funktionsweise Akkus sind wie auch Batterien elektrochemische Energiespeicher. Sie bestehen aus zwei metallenen Elektroden, einem Separator und einem flüssigen Elektrolyt. Wandern Ionen von einer zur anderen Elektrode, entsteht eine elektrische Spannung, die als Energiequelle nutzbar ist. Beim Laden werden die Ionen durch eine von außen angelegte Spannung gezwungen, wieder zurück zur Anode zu wandern, sodass der Akku regeneriert. Mit der höheren Energiedichte steigt die Feuergefahr Mit den höheren Speicherkapazitäten und der zunehmenden Verbreitung der Li-Ionen-Akkus ist auch die Brandgefahr rasant angestiegen. Dass dieses Risiko nicht nur theoretischer Natur ist, hat eine Vielzahl von Schadensfällen in den letzten Jahren deutlich gemacht. Besonders spektakulär waren die Rückrufaktionen von Mobilgeräten des Herstellers Samsung oder die weltweiten Flugverbote für die Boeing 787 aufgrund brennender und explodierender Li-Akkus. Auch in Deutschland wächst die Liste der Akku-Brände. Einige aktuelle Beispiele belegen die Brisanz: ››› Am 28. Juli 2020 steht eine riesige Rauchwolke über dem Gelände einer Mülldeponie in Ellwangen. Zwei Lagerhallen stehen in Flammen. Als Brandursache wird vermutet, dass sich in dort gelagerten Gelben Säcken Li-Akkus befanden. ››› Am 1. Juni 2020 löst ein Li-Akku ein Feuer im Gebäude eines Technologiedienstleisters in Ehningen aus. Obwohl der Brand schnell gelöscht werden kann, ist die Feuerwehr noch viele Stunden im Einsatz. Denn bei der Zersetzung des Akkus war hochgefährliche Flusssäure ausgetreten. Der Gefahrenbereich musste weiträumig abgesperrt werden, bis der Akku gekühlt und in einem Spezialbehälter abtransportiert werden konnte. Diese und viele andere Brandfälle haben eines gemeinsam: Die Li-Akkus wurden ohne besondere Schutzvorkehrungen aufbewahrt oder unbeaufsichtigt geladen. SEPARATOR ANODE KATHODE ENTLADEN Elektrolyt Lithiumionen Elektronen SEPARATOR ANODE KATHODE SEPARATOR ANODE KATHODE ENTLADEN AUFLADEN Elektrolyt Lithiumionen Elektronen SEPARATOR ANODE KATHODE SEPARATOR ANODE KATHODE AUFLADEN Elektrolyt Lithiumionen Elektronen SEPARATOR ANODE KATHODE Lithium-Ionen-Akkus

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