asecos Gefahrstofflagerung und -Handling 2018 - 2020

Informationen Gasversorgungssysteme (vor allem bei Spe- zialgasen) stellen mit ihren umfangreichen Anforderungen und Anwendungsgebieten auch besondere Anforderungen an die Komponen- ten für Lagerung, Verteilung, Regelung und Überwachung dar. Vor Neuerstellung oder Erweiterung beste- hender Gasversorgungssysteme sollte immer im ersten Schritt versucht werden sich über Vor- und Nachteile verschiedener möglicher Versorgungskonzepte im Klaren zu werden. Grundsätzlich gilt es zwischen zentraler und dezentraler Gasversorgung zu unterschei- den. Zentrale Gasversorgung Unter zentraler Gasversorgung versteht man Systeme, bei denen die benötigten Gasbehäl- ter zentral an einem Ort aufgestellt und die Gase den Verbrauchsstellen über ein festes Rohrleitungssystem zugeführt werden (bei der zentralen Gasversorgung muss grundsätzlich noch einmal zwischen Außenaufstellung und Aufstellung in einem Lagerraum unterschieden werden). Dezentrale Gasversorgung Unter dezentraler Gasversorgung versteht man einzelne kleine Versorgungseinheiten, die (meist im Gebäude) direkt an oder in unmittel- barer Nähe der Verbrauchsstelle aufgestellt sind. Eine zentrale Gasversorgung in Außenaufstel- lung besteht grundsätzlich aus Gasflaschenla- gern / -depots (aber auch aus nicht brandge- schützten Lagerschränken - Bezeichnung: 1. Druckstufe), dem Rohrleitungssystem / Lei- tungsnetz, den Entnahmestellen (Bezeichnung: 2. Druckstufe), sowie einem evtl. Überwa- chungssystem (Gasmangel- oder Gaswarnan- lagen). Eine zentrale Gasversorgung mit Aufstellung in einem Lagerraum unterscheidet sich lediglich durch den Lagerort der Gasbehälter. Hier ist gemäß TRGS 510 ein interner Lagerraum mit mindestens feuerhemmenden Abtrennungen vorgeschrieben. In der heutigen Zeit gibt es jedoch neue tech- nische Entwicklungen, die man bei der Planung von Gasversorgungsanlagen auf jeden Fall berücksichtigen sollte. Allem voran wären hier die aktuellen Sicherheitsschränke zur Lage- rung von Druckgasflaschen zu nennen. Denn seit 2006 gibt es eine europäischer Norm für Sicherheitsschränke - die DIN EN 14470 Teil 2. Diese entstand auf Grundlage der damaligen, deutschen DIN 12925 Teil 1. Das geforderte Schutzniveau wurde dabei durch zusätzliche Messstellen direkt an der Gasflasche und eine andere Aufstellposition des Schrankes im Prüf- ofen stark verschärft! Doch noch viel entschei- dender für den Planer und Anwender: Die bislang geforderte Feuerwiderstandsdauer (FWF) von 20 Minuten, wurde durch 4 neue Typklassen ersetzt - somit war der Weg offen für eine neue Generation von Sicherheits- schränken, die eine dezentrale Verwendung von Druckgasen mit einem, mit Sicherheitsschrän- ken für entzündbare Flüssigkeiten vergleich- baren Schutzniveau erlauben (Typklasse G90). Diese innovativen Schrankmodelle bieten nun im Brandfall eine im zeitlichen Vergleich zu den „alten" Modellen 4,5-mal höhere Sicherheit bei stark verschärften Prüfanforderungen. Die Erreichung eines gleichen Sicherheitsniveaus, wie für die Sicherheitsschränke zur Lagerung von entzündbaren Flüssigkeiten, die seit vielen Jahren in Deutschland Stand der Technik sind, ist nun also kein Problem mehr. Da Preise für die im Falle einer zentralen Gas- versorgung notwendigen langen Rohrleitungen - vor allem beim Einsatz von korrosiven Gasen - sehr hoch sind, ist die dezentrale Bereitstellung und Entnahme der Druckgase oft eine kosten- günstigere Variante. In diesem Falle, reduzieren sich die notwendigen Rohrleitungen auf ein Minimum. Somit wird z. B. der Verbrauch bei der Verwendung von Spülgasen ebenfalls stark reduziert. Auch in Fällen, bei denen geringe Mengen ver- schiedener Prüfgase verwendet werden, oder auch eine flexible örtliche Nutzung gefordert ist, sind Typ G90-Sicherheitsschränke gemäß DIN EN 14470 Teil 2 meist die kostengünstigere Alternative. GASVERSORGUNG – DIE CHANCEN DEZENTRALER LAGERUNG 434

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